Kunst und Reichtum gingen seit jeher Hand in Hand, immer schon siedeln sich Kunstgalerien vornehmlich in reichen Städten an. Das ist in den USA noch ausgeprägter als anderswo. Da Chicago als Handels- und Börsenplatz in der ersten Reihe der amerikanischen Wirtschaftsmetropolen steht, liegt es nahe, dass sich hier eine vielfältige Kunstszene entwickelt hat. Die Zahl der Galerien in Chicago steht der von New York oder Los Angeles in nichts nach, seit den 60ern hat sich auch ein ausgesprochenes Künstlerviertel entwickelt.

Wie so oft in den USA hat Privatinitiative das Aufblühen einer spezifischen Chicagoer Kunstszene befördert. Die Namen John und Annelies Podmajersky sind in diesem Zusammenhang von größter Wichtigkeit. Die beiden Kunstfreunde haben in den frühen 60ern angefangen, das Pilsen East Viertel in der Nähe von Halsted und 18. Straße in genauen Augenschein zu nehmen und es langfristig zu einem Künstler- und Kunstviertel aufzubauen. Sie wandelten heruntergekommene Wohngebäude und Industriekomplexe in Künstler Lofts und Ateliers um, so dass sich hier eine künstlerisch fruchtbare Aura entwickeln konnte. Als die Aktivitäten zahlreicher wurden und damit auch die Gefahr bestand, dass sie zersplitterten, haben die Podmajerskies die Chicago Arts District Organisation gegründet. An ihrer Spitze steht heute Cynthia West, die auch die Website des Chicago Arts District leitet und die jährlich stattfindende Pilsen East Artists Open House organisiert. Dieser Event wird auch sehr interessiert von den Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft aufgenommen, können sie doch den Künstlern am Tag der Offenen Tür beim Arbeiten zusehen und Kunst in einer intimen Umgebung kennenlernen. Darüberhinaus finden monatlich abwechselnde Events statt. Unter den vielen Künstlern dieses Quartiers wird immer wieder der Name Jeff Zimmerman hervorgehoben. Als die führende Galerie gilt 32nd & urban.

Was zählt noch zum Chicago Arts District?

Aber nicht nur hier um Halsted, sonder auch in anderen Gegenden hat sich eine rege Kunstszene entwickelt. Um im Norden zu beginnen: um North/Bucktown/Wicker Park hat sich im Old Town und angrenzenden Stadtbezirken ein Cluster an Galerien aufgetan, wozu auch noch die Gegend um den Coyote Tower gehört. Weiter nördlich liegt die Northeastern Illinois University Fine Arts Center Gallery, in der einer der kommenden Stars der Kunstszene, Juan Angel Chávez, ausstellt.

Die größte Anzahl an Galerien hat sich um River North etabliert. Dieser Distrikt wird von der Chicago Avenue im Norden, der Merchandise Mart im Süden, westlich von der Orleans Street und im Osten von Dearborn begrenzt. Aus einer Fülle von Adressen seien genannt das ArchiTech Institut, das eine historische Übersicht über architektonische Landmarks bietet, die David Weinberg Gallery oder die Carl Hammer Gallery für zeitgenössische Kunst.

Um 25 Galerien finden sich auf der Magnificent Line, teilweise in leicht zugänglichen Erdgeschoßlagen, teilweise aber auch in Hochhäusern und nur mit dem Aufzug erreichbar. Als eine Fundgrube für Poster aus dem neunzehnten Jahrhundert sei die Colletti Gallery genannt. Als ein Zentrum für europäische und amerikanische Maler des 19. und 20. Jahrhunderts sieht sich Galleries Maurice Sternberg. Zum Areal Magnificent Line zählt der Bezirk South Loop hinzu, so dass man hier neben den Galerien auch noch The Museum of Contemporary Art und das River East Art Center besichtigen kann. Das Art Institute of Chicago findet sich im südlichen Teil der Michigan Avenue.

Als eine der bedeutendsten Kunstmessen weltweit hat sich die Art Chicago entwickelt. Sie findet jedes Jahr im Merchandise Mart statt, der in seinem gewaltigen Komplex hunderte von Geschäfte beherbergt, die mit Kunst im weitesten Sinn zu tun haben, darunter auch exklusive Möbel und Wohnungseinrichtungen. Für die Art Chicago sind zwei Stockwerke des Komplexes reserviert, so dass man mit deren Besuch gleich einen Einkaufsbummel für hochwertige Einrichtungen und Dekorationen verbinden kann. Das Merchandise Mart befindet sich am Merchandise Mart Palza, unweit der Michigan Avenue an der Ecke Orleans Street/Kinzie Street. Er gehört definitv zum Chicago Arts District.